I care a lot – Review

Spoiler Alarm: Wer den Film auf Netflix noch sehen möchte, liest bitte nicht weiter!

Der Film beginnt mit einer Szene, die vermutlich jeden von uns getäuscht bzw. maximal irritiert hätte. Ein Mann, sehr aufgebracht, versucht in ein Pflegeheim zu kommen um seine Mutter zu sehen und wird vom Personal unsanft davon abgehalten. Was ist da los?

Die Hintergründe werden schnell klar: Er bzw. seine Mutter ist Opfer einer Psychopathin geworden, die von einer Ärztin gezielt alte Leute genannt bekommt, die dann mit Hilfe eines unheimlich naiven Richters zu unmündig erklärt und von der Psychopathin als Betreuerin unterstellt werden.

Sie fackelt nicht lange und macht alles zu Geld, was sie finden kann. Ihre Partnerin hilft bei der Handarbeit, daneben gibt es ein ausgeklügeltes Netzwerk an „Dienstleistern“, die das böse Spiel unterstützen. Zum Beispiel kann die Psychopathin mal eben einen Streifenwagen vor dem Haus des Opfers auftauchen lassen um zu verdeutlichen, dass Widerstand zwecklos ist.

In Ihrem Büro hängen Fotos und Bewertung der Opfer als „Portfolio“ wie Aktienkurse, je nachdem, wie viel Profit möglich ist, wie viel Gegenwehr aufkommt, usw.

An Perversität mangelt es kaum und es hinterlässt die große Frage: Funktioniert so ein böses Spiel auch in unserer Gesellschaft? Die Opfer wurden gerichtlich für unmündig erklärt und in ein als Pflegeheim getarntes Gefängnis gesperrt, dessen Leitung problemlos Medikamente zur Beruhigung geben lässt und alle Kommunikation über die Psychopathin abwickeln lässt.

In den USA scheint dies kein Problem zu sein, wenn man nur die richtigen Leute kennt und bezahlt.

Der Nährboden dafür ist auf jeden Fall in unserer Gesellschaft vorhanden, denn wer schaut nicht weg bzw. sucht das weite, wenn scheinbar die Polizei nur darauf wartet, gegen sich selbst vorzugehen…? Wer wehrt sich bzw. sagt etwas, wenn offenkundig etwas falsch läuft und das eigene Bauchgefühl das sagt, aber eine Autorität etwas dagegen sagt bzw. nur anwesend ist (vgl Milgram Experiment)?

Die Psychopathin spielt ihre Rolle perfekt und hat feine Antennen dafür, wie sie jeden Kritiker einwickelt oder durch Drohung jede Gegenwehr im Keim ersticken kann. Sie kann perfekt den Schein wahren, den auch in unserer Gesellschaft viele Leute lieber wahren, als sich mit Problemen ernsthaft auseinander zu setzen.

Das Spiel könnte immer so weiter gehen, wenn da nicht irgendwann ein vermeintliches Opfer nicht so wehrlos ist, wie es den Anschein hat.

Zuerst fällt gar nicht auf, wer das neueste Opfer ist. Eine scheinbar harmlose alte Dame ohne Familie ist schnell im besagten Pflegeheim und kann sich nicht dagegen wehren. Dumm nur, dass die alte Dame unter einer sorgsam aufgebauten, falschen Identität lebt und ihr Sohn ein Soziopath in Form eines lokalen Mafia Paten ist.

Der Sohn möchte seine Mutter gern wiedersehen und als das Wiedersehen ausfällt, bekommt die Psychopathin Stück für Stück zu spüren, mit wem sie sich da angelegt hat. Wenn eine unaufhaltsame Kraft auf ein unbewegliches Objekt stößt wird alles darum in Mitleidenschaft gezogen, so auch hier. Menschen werden brutal ermordet oder sterben, weil die beiden Egos der Hauptdarsteller unbedingt ihren Willen durchsetzen wollen.

Die Schlinge um den Hals der Psychopathin wird immer enger, dennoch flüchtet sie nicht, sondern spielt weiter.

Es scheint, dass der Soziopath gewinnt, da er länger im Geschäft ist, noch weniger Skrupel gegenüber Feinden kennt und im scheinbaren Moment des Todes offenbart die Psychopathin die Leere, die in ihr wütet und die sie so hat werden lassen (vgl Arno Gruen – Der Wahnsinn der Normalität).

Im letzten Moment kann sie dem Tod von der Schippe springen, ihre schwer verletzte Partnerin retten und lässt sich beinahe zur Flucht überreden. Dennoch fasst sie den Entschluss, sich bitter zu rächen und den Soziopathen, dessen Mutter sie immer noch unter ihrer Kontrolle und in eine Anstalt für psychisch kranke Menschen bringen lassen hat, ebenfalls unter Kontrolle zu bekommen.

Die Rache gelingt und sie möchte ihr Opfer gar nicht töten, sondern möchte dessen Widerstand brechen und absolute Kontrolle gewinnen. Der Soziopath erkennt seine Niederlage und wagt die Flucht nach vorne:

Statt weiter zu kämpfen, könnten die beiden auch zusammen arbeiten, Ressourcen kombinieren und ein lukratives Imperium des guten Anscheins aufbauen. Schnell sind sich beide einig und eben noch verfeindet ist wenige Monate später das besagte Imperium entstanden, welches munter Opfer einsammelt und wegsperrt und im großen Stile Leute „ausbildet“ um das Spiel immer größer aufzubauen.

Alles könnte perfekt sein, ein TV Interview zeigt die hässliche Fratze der Psychopathin versteckt hinter einem falschen Lächeln, welches augenscheinlich niemand durchschaut. Sie ruht sich auf dem Erfolg aus und begeht den großen Fehler, auf offener Straße ohne Leibwache unterwegs zu sein (oder ist dies kein Fehler, sondern die Todessehnsucht, die in so jemandem wohnt? Arno Gruen lässt in seinen Büchern jemanden zu Wort kommen, der Adolf Hitler persönlich getroffen hat und von Angesicht zu Angesicht darüber nachdachte, Hitler zu töten. Hitler sei an diesem Menschen in dem Moment auffallend interessiert gewesen sein und hat sich um die anderen Anwesenden nur wenig gekümmert.).

Der Sohn des Opfern zu Beginn des Filmes hat lange auf seine Chance gewartet, seine Mutter ist einsam im Heim gestorben und nun möchte er Rache und fackelt nicht lange.

Im Moment des Todes realisiert die Psychopathin alles, ihr Gesicht zeigt keine Angst vor dem Tode, sondern Entsetzen darüber, was sie getan hat und was auf Grund ihrer Taten noch alles passieren wird. Sie kämpft kein Stück für ihr Leben, sondern stirbt in den Armen ihrer Partnerin mit der Erkenntnis, wie viel Leid sie verursacht hat.

Sicherlich sind einige Elemente deutlich übertrieben, im Kern bleibt ein bitterer Nachgeschmack, da in Grundzügen ein solches böses Spiel jeden Tag in der Zeitung nachzulesen ist. Zum Beispiel Hartz IV und die Zerstörung der gesetzlichen Rente sind mit weniger drastischen Maßnahmen, jedoch im deutlich größeren Stile ähnlich und Widerstand kann sich kaum jemand erlauben und echtes Mitgefühl bleibt gesellschaftlich aus.

Wir bekommen zu Recht den Spiegel vorgehalten: In so einer Gesellschaft lebst Du auch!

Willst Du so bleiben? Es gibt Mittel und Wege, dagegen anzugehen! Mach die Augen auf und höre auf dein Bauchgefühl! Lerne dich selbst und deine Werte kennen und tritt dafür ein.

Wenn Du Hilfe dazu brauchst, kannst Du mit z.B. Hypnose dich selbst stärken und die Angst vor Autoritäten auflösen, damit Du im richtigen Moment jemandem beistehst. Der Psychopath fürchtet die Enttarnung und kalkuliert mit der Angst des Gegenübers, ohne Angst ist sein Spiel unmöglich und Du kannst schon im Alltag helfen, das böse Spiel aufzudecken und zu beenden!